Vom Geist des Heimatforschers

Volkstum - Rasse - Führertreue

F r i e d r i c h  K ö l l i n g  (1894 - 1980) war Lehrer in Hessisch Oldendorf von 1919 bis 1954. Seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhundert wirkte er aktiv im Heimatbund der Grafschaft Schaumburg, später im selbstständig gewordenen Heimatbund Hessisch Oldendorf. 1938 - 1945 versah er im Stab des Ortsgruppenleiters der NSDAP das Amt des Schulungsleiters, spätestens ab 1944 auch das des Presseamtsleiters. 1957 wurde ihm für seine Arbeiten zur Heimatforschung die Ehrenbürgerwürde verliehen. 1964 erhielt er den Niedersächsischen Verdienstorden und 1970 die Ehrenbürgerwürde seiner Geburtsgemeinde Möllenbeck. In Hess. Oldendorf trägt eine Straße seinen Namen.

Für die Geschichtsschreibung der Region um Hessisch Oldendorf hat Kölling eine besondere Bedeutung, die Menge seiner Beiträge ist enorm.[1] Er gehörte auch zu den ersten, die in großem Umfang archivarische Quellen zur Stadtgeschichte durchsuchten. Vor allem aber veröffentlichte er 1956 die bisher einzige „umfassende“ Stadtchronik[2], die vom Hohen Mittelalter bis zur Nachkriegszeit der 1950er Jahre reicht. 

Die Anführungszeichen zeigen an, dass hier deutliche Einschränkungen zu machen sind. Während er Zeiten großer Veränderungen wie den Dreißigjährigen Krieg und die „Franzosenzeit“ ausgiebig und anschaulich schildert,  u n t e r s c h l ä g t  er die  N S -Z e i t  als Epoche völlig, d.h. die politische Umwälzung ab 1933 mit ihren Folgen auch für die Bürger der kleinen Stadt - wie: Abschaffung der Demokratie, Errichtung von Diktatur und Gewaltherrschaft, Verfolgung politischer Gegner, Entrechtung und Deportation der jüdischen MitbürgerInnen - werden nicht erwähnt. Er überbrückt diese Zeitspanne mit Themen wie Straßenpflasterung, Kanalisation und dem Wachstum einzelner Gewerbebetriebe.  

Ein solches Ausblendungsverfahren war bei den Verfassern von Ortschroniken seinerzeit üblich. Viele hatten denselben Grund wie Kölling: Sie waren selbst verstrickt in das NS-System.

Um es vorweg zu nehmen:

In der Studie „Schaumburger Nationalsozialisten“[3], die eine Reihe von NS-Funktionären durchleuchtet, wird Kölling unter die „scharf antisemitischen Schulungsleiter der NSDAP“ gerechnet, die „die Auswahl durchaus [hätten] ergänzen können“. Und das mit Recht.

Kölling hat in kleineren und größeren Arbeiten viele Fakten auf allen möglichen Feldern der Heimatgeschichte gesammelt - nach 1945 augenscheinlich unpolitisch und tendenzfrei. Die Jahre davor zeigen eine  a n d e r e  Seite - als ob man es davor und danach mit zwei unterschiedlichen Autoren zu tun hätte. (Gleiches gilt für den Rintelner Heimatforscher Walter Maack, der einer eigenen Betrachtung wert wäre.)

In der vorliegenden Dokumentation geht es darum, jene andere Seite zu beleuchten, die bisher mit Schweigen übergangen wurde.

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[1] Schwedt nennt die Zahl von 260 Veröffentlichungen. Georg Schwedt, Die Stadt mit 24 Dörfern. Books on Demand GmbH. Norderstedt 2018, S. 21

[2] Friedrich Kölling, Hess. Oldendorf. 700 Jahre Entwicklung einer niedersächsischen Kleinstadt. Rinteln 1956

[3] Frank Werner (Hg.), Schaumburger Nationalsozialisten. Bielefeld 2. Aufl. 2010, S. 14