Vom Geist des Heimatforschers (2)

Volkstum und Rasse

 

Wenn es denn so etwas wie eine nationalsozialistische ‚Weltanschauung‘ gab, dann waren ‚Blut‘ und ‚Boden‘ ihr Kern.“[4] 

„Blut und Boden“ war jahrelang Köllings Schwerpunktthema. 

Es tritt zuerst 1935 in der Jubiläumsschrift zum 75jährigen Bestehen der Oldendorfer Sparkasse in Erscheinung. Kölling liefert einen längeren Beitrag zur Siedlungsgeschichte des östlichen Wesertals unter dem Titel Unsere Heimat. An den Anfang stellt er ein Hitler-Zitat:

„Wir wollen wahren  die ewigen Fundamente unseres Lebens!

 Unser Volkstum und die ihm gegebenen Kräfte und Werte.“

Hitler, 21.3.1933


„Blut und Boden“ formen die Menschen und bilden in ihnen ein echtes Volkstum.

Nur die innerlich starken Geschlechter, die bestes Erbgut in sich tragen, widerstehen allen Stürmen der Zeit.

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B l u t  u n d  B o d e n: Eine rassistische Ideologie, die vor allem in den Büchern des nachmaligen „Reichsbauernführers“ Walther Darré ausgearbeitet wurde.

Der wertvollste Teil des Volkes sei das Bauerntum, das einen hohen Anteil germanisch-nordischer Rasse in sich trage und seit Jahrhunderten fest mit der eigenen Scholle verbunden sei. Die sesshafte nordische Bauernsippe sei die wahre Trägerin der Kultur im Gegensatz zur minderwertigen semitischen Nomadenhorde. In moderner Zeit ist sie auch das positive Gegenstück zur „entwurzelten“ Großstadt-Bevölkerung. Durch staatliche Erb- und Rasse-Gesetzgebung soll ein neuer „Bauernadel“ heran „gezüchtet“ werden. 

Die dazu geforderten „Hegehöfe“ finden sich wieder in den „Erbhöfen“ des Reichserbhofgesetzes vom 29.09.1933, deren Erben rein „arisch“ sein mussten, um die Erhaltung der nordischen Rasse zu gewährleisten. 

Da ein „Volk ohne Raum“ unbedingt die Eroberung neuen „Lebensraums“ in Osteuropa brauchte, bestimmte dieses Konzept auch die Ost-Siedlungspläne Himmlers und anderer.

V o l k s t u m : „Aus dem Blute des Volkes, […] aus dem heiligen Boden, auf dem Ahnen und Enkel  siedeln, wächst […] dieser mächtige Baum Volkstum […]. Wir sehen, man kann von Volkstum nicht reden, ohne vom Blut zu reden und vom Boden […].“[5]

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Kölling fährt fort:

Weite Kreise unserer Volksgenossen haben den Zusammenhang mit Sippe und Heimatboden verloren. Nach der Industrialisierung Deutschlands lockte der […] Glanz der Großstadt. 

[…] Die darauf gegründete Scheinkultur löste den Menschen von seinem natürlichen echten Volkstum […]

Die  nationalsozialistische Regierung sieht die bodenständige Bevölkerung als Quell eines starken und lebensfähigen Volkes an. Sie hat erkannt, daß die Bevölkerung unserer großen Städte und Industriegebiete immer wieder durch das gesunde Blut und die schlichte, gerade Denkweise des Landvolkes erfrischt und erneuert wird. […]

Folgerung:

Unsere lebende Generation hat die Pflicht, im Sinne unseres großen Führers volksfremdes Wesen, das unser Volkstum überlagert, hinwegzuräumen.

Kölling beschließt seinen Aufsatz mit einer Huldigung an den Texter des SA-Liedes „Die Fahne hoch“, den als NS-„Märtyrer“ verehrten H o r s t  W e s s e l , dessen Vorfahren in Hessisch Oldendorf und Umgebung gelebt hatten. 

Wenn wir das Leben Horst Wessels betrachten, so fällt uns auf, daß in ihm eine Charakterstärke und Tatkraft lebendig war, wie sie in Jünglingen gleichen Alters kaum wiederzufinden ist.

Da Wessel in der Großstadt Berlin aufgewachsen war, also in einer dem „Volkstum entwurzelten Scheinkultur“, muss Kölling erklären, wieso sich trotzdem

in ihm die guten Eigenschaften, das soziale Denken und sein Sinn für hohe Ideale so stark entwickelten.  

Antwort: Seine Großmutter

hatte ihre Vorfahren auf einem engbegrenzten Gebiet um Oldendorf […]

Es waren Geschlechter, die den Zusammenhang mit „Blut und Boden“ nicht verloren hatten […] 

Kölling bildet Horst Wessels Vaterhaus ab, das noch heute in der Bahnhofsallee steht - unterschlägt aber, dass der Vater evangelischer Pfarrer war.

 

Sein Resümé bekräftigt die rassen-mythische Verbindung zwischen dem Charakter des NS-Helden und der hiesigen Erde:

Wenn in Horst Wessels Leben und Sterben die große Liebe zu Vaterland und Volk so sinnfällig Ausdruck fand, so ist die Grundlage zu diesem Geiste die Liebe seiner Ahnen zur Scholle. Wir dürfen behaupten, daß im Blut und Boden des Wesertales „die Wurzeln seiner starken Kraft“ ruhen. 

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[4]  Horst Gies, Richard Walther Darré. Der „Reichsbauernführer“, die nationalsozialistische „Blut und Boden“-Ideologie und Hitlers Machteroberung. Köln 2019, S. 165

[5] „NS-Monatshefte“ Nr. 7/1936, zit. nach Cornelia Schmitz-Berning, Vokabular des Nationalsozialismus. Berlin 2007, S. 677