Hessisch Oldendorf

Kriegs- und Kriegerdenkmäler

Rumbeck 1870/71. Die Friedenseiche

 

Diese Eiche steht neben der stillgelegten Landstraße zwischen Rumbeck und Hohenrode an der Weser. 


Dazu gehören eine Sandstein-Stele mit Inschrift und sechs eingegrabene, im rechten Winkel angeordnete scheibenförmige Steine.

Die Frie-

dens Eiche

Andenken

Des glorreich

erkämpften

Frieden mit

Frankreich im

Jahre 1871



Die Rumbecker haben den Friedensschluss vom Mai 1871 nicht erst abgewartet, sondern wurden schon nach dem Vorfrieden von Versailles aktiv. Das zeigt eine Rechung des Dorfschmiedes. Er hatte im April für 5 Silbergroschen

„4 Bikken [und] 9 beitels gescherft zu den Fridenstein und 4 bikken gescherft“.

 Damit sind offenbar „Picken“ und „Beitel“ gemeint - Werkzeuge zur Bearbeitung des Sandsteines, die er mehrmals instandsetzte.

Im Oktober war die Anlage längst fertig, und der Schmied hatte für 20 Silbergroschen

 „3 Neue Ein geschweißte Haken

zu den Denkmahl gemacht“:


Der Sinn dieser Haken ist aus heutiger Sicht nicht klar, aber es muss sich um die Anlage mit dem Friedensstein handeln, denn ein anderes Denkmal gab es nicht. 

Ursprünglich war die Anlage von einer Mauer umgeben. Das ergibt sich aus einem Artikel in der Schaumburger Zeitung vom 20. April 1922. Anklagend ist dort die Rede von dem 

kleinen, etwa zwanzig Quadratmeter großen, gartenähnlichen, von einer Mauer umgebenen Raum, in dessen Mitte sich ein Gedenkstein befindet.

Wie aber sieht dieser Raum aus? Verwahrlost, ungepflegt, verwittert. Die Mauer zum Teil eingefallen und zerbröckelt, der Gedenkstein überwuchert von Unkraut, unleserlich die Inschrift, ein trostloses Zeichen der Vergänglichkeit. Einsam und vergessen liegt dieser Platz, der doch der großen Zeit, dem Andenken der Siegestaten unserer Väter und Großväter geweiht war!

Der Verfasser appelliert an die Leser:

Nur einige hundert Mark, und die jetzt dem Verfall anheimgegebene Umfriedung ist wiederhergestellt. Geringe Ausgaben für Blumen und Strauchwerk, und der Platz wär eine Zierde unsers idyllisch gelegenen Dorfes.

und zeigt sich überzeugt,

daß, falls zu diesem Zwecke eine kleine Sammlung veranstaltet wird, ein jeder gern ein Scherflein dazu beiträgt, daß dieser Platz in würdiger Weise wiederhergestellt würde, um auch späteren Generationen von der Einigkeit und Größe einer großen alten Zeit zu erzählen.

Offenbar wurde die Mauer nicht wieder hergestellt, sondern statt dessen die Umrandung aus Mühlsteinen gesetzt. 

Vergleicht man das kräftige nationale Siegespathos am Ende dieses Artikels von 1922 mit dem Text des Gedenksteins, so fällt auf, dass Baum und Gedenkstein von 1871 gar keinen "Sieg" feiern, sondern einen "glorreich erkämpften FRIEDEN". Es sind FRIEDENseiche und FRIEDENstein!

Fotos vom Verfasser. Abbildungen und Quelle: NLA Bückeburg, Dep. 59 Ru Nr. 49