Hessisch Oldendorf

Kalenderblätter

Juli 1897: Endlich duschen und baden!

Hess. Oldendorf. Herr W. Grending hat hinter seinem Wohnhause in der Langenstraße eine Badeanstalt errichtet und damit einem fühlbaren Bedürfnis Abhilfe geschaffen. In derselben werden Dienstags und Freitags die verschiedensten Bäder zu mäßigen Preisen verabfolgt. Sehr empfehlenswert sind besonders auch für die Schuljugend die Spritzbäder, welche für 10 Pfg. täglich zu haben sind. (Vergl. Inserat.)


 

 

 

 

Schaumburger Zeitung v. 13.07.1897

Kommentar:

Wilhelm Grending war Friseur, also Betreiber eines Gewerbes, das aus den "Badern" und "Barbieren" hervor gegangen war (sein Bruder Carl Christian Ludwig war 1884 noch als "Barbier" nach Amerika ausgewandert). Die Badestube hinter seinem Hause in der Langen Straße 85 (heute 22) war in einer Zeit und einer Stadt, die kaum Badezimmer kannte, sicher ein hygienischer Fortschritt. Der "Friseursalon Grending" im Vorderhaus wurde später von Karl Grending und dann unter Nachfolge bis mindestens 2014 weiter geführt. Ein Familienunternehmen also, das über 100 Jahre lang im selben Hause existierte!

Quellen:

- Heinrich Rieckenberg, Schaumburger Auswanderer 1820-1914, Rinteln 1988, S. 342

- Einwohnerbuch für Rinteln an der Weser, Obernkirchen, Hess. Oldendorf [etc.]. Rinteln 1927

Juni 1897: Kein Schaufensterbummel während des Gottesdienstes!

Briefkasten.

Nach Oldendorf!  Während des Sonntags-Gottesdienstes müssen alle Schaufenster etc. verhängt sein. Für Beachtung dieser Vorschrift hat die Polizeibehörde jedes einzelnen Ortes zu sorgen.

Die Redaction

Schaumburger Zeitung v. 17.06.1897

Kommentar:

Im „Briefkasten“ reagierte die Redaktion der SCHAUMBURGER ZEITUNG auf Leserbriefe. Hier macht sie sich die Eingabe eines strengen Zeitgenossen aus Hessisch Oldendorf zu eigen, der Verstöße gegen die Sonntagsruhe beklagt. Es bestand also auch hier eine Regelung wie die spätere Berliner

Polizei-Verordnung betr. die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage. Vom 27. März und 17. Mai 1910.

§ 6. […] Schaufenster und Schaukästen sind während der Stunden des Hauptgottesdienstes zu verhängen.

Heutzutage wird im Handel und in Teilen der Bevölkerung die Forderung immer lauter, noch mehr verkaufsoffene Sonntage zu erlauben. Also pendelt der Zeitgeist auch bei diesem Thema von einem Extrem zum anderen.

Mai 1977:  Nazi-Chefredakteur wird Ehrenvorsitzender der Kyffhäuser-Kameradschaft Rinteln

Geburtstag der Kriegervereins-Fahne ein Bekenntnis zur Arbeit am Frieden 

[…] die Versöhnung mit ehemaligen Feinden, die Kameradschaft und die Pflege des Brauchtums standen im Mittelpunkt des 100. Geburtstages der alten Fahne des Rintelner Kriegervereins. […]

Die Vorsitzenden der Landesverbände waren ebenso anwesend wie Vertreter der Nato und der Bundeswehr. […]

Eine besondere Ehre wurde  R e i n h o l d  B ö r n e r  zuteil. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. […]

R e i n h o l d  B ö r n e r  […] erhielten das Verdienstkreuz II. Klasse in Silber. […]


Text u. Foto: SZ v. 16.05.1977

Kommentar:

Reinhold Börner war während der gesamten NS-Zeit verantwortlicher Schriftleiter bzw. „Hauptschriftleiter“ der Schaumburger Zeitung in Rinteln, die ab Mai 1933 den Untertitel „Tageszeitung für Nationalsozialistisches Wollen“ und ab August 1933 „Nationalsozialistische Tageszeitung“ erhielt. Als solcher hat Börner quasi täglich die demokratiefeindliche, menschenverachtende, antisemitische und kriegshetzerische Propaganda der NSDAP verbreitet und mitgestaltet und als aktiver Handlanger des Regimes dafür gearbeitet, die Bevölkerung zu verdummen und zu verhetzen.

Einer „ehrenhaften“ Stellung in der Nachkriegsgesellschaft tat das keinen Abbruch - wie bei vielen Seinesgleichen.

Hauptschriftleiter u. Ressortleiter Politik

Börner vermittelt die NS-Weltanschauung (01.08.1933, Seite 2)

Nur zwei von unzähligen Artikeln, die auf S. 2 der Schaumburger Zeitung erschienen und Börner zuzurechnen sind:

(01.02.1934)

(15.11.1938)

Börner als NSDAP-Presseamtsleiter:

(02.04.1937)

April 1977: Bloß nicht zum Landkreis Hameln-Pyrmont!

Spielmannszüge aus zwei Kreisen im Wettstreit / Wanderpokale wurden überreicht 

HEMERINGEN. Der Jugendspielmannszug Rot-Weiß Hemeringen war am Wochenende Ausrichter des fünften Wettstreits nach Noten für Spielmanns- Fanfahren- und Musikzüge aus dem Kreis Hameln-Pyrmont. […] 

Kein Verständnis brachten die Veranstalter dagegen für Landrat Fritz Saacke aus dem Kreis Hameln-Pyrmont auf, der es nicht einmal für nötig hielt, sich für sein Nichterscheinen zu entschuldigen oder aber zumindest einen Vertreter zu schicken. Ein Hemeringer meinte dann auch, daß das bezeichnend für Hameln sei, „man könne sich ausrechnen, was uns erwartet, wenn wir durch die Kreisreform wieder zu diesem Landkreis zurückkommen sollten.“ [Anmerkung: Genau dies erfolgte am 1. August 1977.]

Schaumburger Zeitung v. 27.04.1977

April 1897: Antijüdische Ausfälle der SCHAUMBURGER ZEITUNG gegen Heinrich Heine

Wieder etwas vom Heine-Denkmal.

Professor Herter hat dem Komitee für das Heine-Denkmal, das noch immer ruhelos wie Ahasver durch die Welt irrt, mitgeteilt, daß es fertiggestellt und zur Verschiffung verpackt ist. Er hat siebzigtausend Mark auf seine Arbeit bereits empfangen und auf den Rest von dreißigtausend erst Anspruch, wenn das Denkmal übernommen und enthüllt sein wird; sein Interesse an der Aufstellung des Denkmals ist also erklärlich. Allein was nützt das alles; es findet sich selbst in New-York trotz aller Bemühungen kein Platz, wo es zur Ruhe und zur Aufstellung kommen könnte. - Sollte sich nicht in Paris oder in einem galizischen Ghetto ein Plätzchen finden?


Schaumburger Zeitung v. 10.04.1897

Kommentar:

Der Hintergrund dieses gehässigen Artikels - typisch für den Antisemitismus der Schaumburger Zeitung der Kaiserzeit - wird erklärt auf einer Webseite des Bayerischen Rundfunks:

[…] hatte sich in Heines Heimatstadt Düsseldorf ein "Comité für die Errichtung eines Heine-Denkmals" gegründet. Pünktlich zum 100. Geburtstag des Dichters im Jahr 1897 sollte das Denkmal in Düsseldorf aufgestellt werden. Der Aufruf des Comités bezog sich allerdings weniger auf den politischen Heine, als viel mehr auf den "unsterblichen Liederdichter". So konnte auch die österreichisch-ungarische Kaiserin und Heine-Verehrerin Elisabeth das Projekt unterstützen; Sisi wollte das Denkmal anfangs sogar mit 50.000 Mark fördern. Aber es half alles nichts. Heine polarisierte, wie schon zu Lebzeiten. Jahrelang diskutierte man deswegen im Deutschen Reich, nicht nur die Gestaltung des Monuments, sondern vor allem die Frage, ob der Jude Heinrich-Heine überhaupt ein Denkmal verdiene. Am Ende verhinderte die bösartige antisemitische und nationalistische Propaganda, dass zu Heines 100. Geburtstag irgendein Denkmal irgendwo im Land eingeweiht werden konnte. Allerdings interessierte sich ein deutscher Gesangsverein namens Arion in New York für die Sache. Der Berliner Bildhauer Ernst Herter erhielt also von Auslandsdeutschen in Amerika den Auftrag und schuf einen Loreley-Brunnen aus weißem Tiroler Marmor. Dieser "Loreley Fountain" wurde dann - nach einigem hin und her - am 8. Juli 1899 im New Yorker Stadtbezirk Bronx enthüllt.

Quelle: http://www.br.de/radio/bayern2/wissen/kalenderblatt/0807-denkmal100.html

Ausführlicher Wikipedia-Artikel:

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich-Heine-Denkmal_(Bronx)#cite_ref-14

April 1877: Die Vögel sollen leben, aber wovon?

Bekanntmachung des Landrathsamts. 

Das Verbot des Wegfangens und Tödtens der von Raupen und Insecten lebenden Vögel, sowie das Ausheben und Zerstören der Nester derselben wird hierdurch in Erinnerung gebracht. […]

Rinteln, am 18. April 1877.

Der Königliche Landrath:

Kröger.

 

Die Herren Bürgermeister haben alle Grundbesitzer aufzufordern, Bäume und Hecken von Raupennestern zu reinigen. […]

Rinteln, den 18. April 1877

Der Königliche Landrath:

Kröger.

Kreisblatt für die Grafschaft Schaumburg v. 20.04.1877