Hessisch Oldendorf

Kriegs- und Kriegerdenkmäler

Fuhlen 1870/71, Friedenseiche?, 1914-18, 1939-45

An der Südseite der Fuhlener Pfarrkirche stehen diese drei Kriegerdenkmäler.

1870/71

Der Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 dient eine kleine Sandstein-Stele, deren Giebel-förmiger Kopf ein sechsblättriges Klee(?)-Blatt trägt.

Die Inschrift in lateinischer Schreibschrift:

 

Den tapfern

Kriegern aus

Fuhlen, die für

Deutschlands

Freiheit und

Ehre siegreich

kämpften ge,,

gen die Fran,,

zosen 1870

und 1871

Auf der Rückseite die Namen von 11 Gefallenen.

Friedenseiche von 1913?

Nur indirekt erfahren wir von der Existenz einer solchen "Friedenseiche" in Fuhlen. Im Zeitungsbericht über die Einweihung des Kriegerdenkmals für die Toten des Ersten Weltkrieges am 30. April 1922 heißt es: "Das Denkmal steht auf dem Denkmalsplatz von 1870/71, wo auch die Friedenseiche anläßlich der Hundertjahrfreier 1913 gepflanzt wurde."1

 

Es handelt sich also um eine jener "Friedenseichen" zum Gedenken an den Sieg über Napoleon in der "Völkerschlacht bei Leipzig" im Jahr 1813.

Heute ist in Fuhlen darüber nichts bekannt.

Das kann bedeuten, dass der 1913 gepflanzte Baum verschwunden ist. Wenn nicht, kommt diese prächtige Eiche in Frage.

1914-18

Das Ehrenmal für 1914-18 ist ein Sandstein-Obelisk, der von einer Kugel mit Tatzenkreuz bekrönt ist. Schöpfer ist Bildhauer Röhrig aus Eschershausen, der auch das Denkmal in Rumbeck herstellte.

Die Inschrift der Vorderseite:

 

Ihren im Weltkrieg

1914-1918

gefallenen Brüdern

in dankbarer Verehrung

gewidmet

Die Gemeinde Fuhlen

Darunter das Relief eines bebänderten Schwertes.

Die Inschrift der Rückseite:

Grösseres kann kein Mann geben

Als für die Anderen sein Leben

zu lassen

Darunter das Relief eines Stahlhelmes vor Eichenlaub.

Die Seiten tragen die Namen von 17 Gefallenen und Vermissten. Darunter ein offener Ehrenkranz.

Die Einweihung am 30. April 1922 vollzog sich in typischer Inszenierung.1 

Nach dem Choral „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ eröffnete der Vorsitzende des Denkmalsausschusses Steding die Veranstaltung. Dann nahm Amtsrat Rohde im Namen des Kreiskriegerverbandes Rinteln (wie drei Tage zuvor in Rumbeck und ein Jahr zuvor in Heßlingen) das Wort. Er sprach von den 

großen Taten der gefallenen Kameraden, durch deren würdige Ehrung sich die Gemeinde selber ehre. Nur wenn wir, wie die Gefallenen, uns brüderlich die Hände reichen und gleich welcher Partei, Religion, Rang oder Stellung uns eins fühlen als Deutsche, können wir das zusammengebrochene Vaterland wieder aufbauen. Und das wollen wir hier am Denkmal der gefallenen Helden, die uns ein leuchtendes Vorbild sein sollen, feierlich geloben.

Eine Gewehrabteilung salutierte, das Denkmal wurde enthüllt.

Pastor Bürgener verlas nun die Namen der Gefallenen („unter denen sich fünf Brüderpaare befinden“), und die Angehörigen legten dazu jeweils einen Kranz nieder. Die Gewehrabteilung feuerte drei Ehrensalven ab.

Weil heftiger Regen einsetzt, wird die Feier in der Kirche fortgesetzt. 

Wieder singt ein Chor („Ehrenvoll ist er gefallen“), dann spricht „Frl. Wenkhausen in wirkungsvoller Weise einen von Frl. Brehm-Rinteln gedichteten Gedenkspruch „Die Heimat ehrt die Heldensöhne“.2

Nach dem Vortrag des Gesangvereins „Er liegt in fremder Erde“

hielt sodann Herr Pfarrer Bürgener die Weiherede, die er auf Bibelsprüche aufbaute, die am Denkmal angebracht sind. In ergreifender Weise erinnerte er an die schweren Stunden, die die Angehörigen der Gefallenen erlebt haben. Aber wenn heute auch alte Wunden bluteten, so könne man doch beim Anblick des Denkmals einen Trost in der Gewißheit finden, daß die Gefallenen nunmehr den wahren Frieden gefunden hätten. Der Geistliche ermahnte dann zur rechten Gottesfurcht, die allein uns zur alten Treue gegenüber dem Vaterland zurückbringen könne. Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern. Das walte Gott!

Nach einem weiteren Gedichtvortrag - „An Deutschlands Heldengräbern“ - und dem Lied des Gesangvereins - „Schlummre sanft“ - nahm Bürgermeister Söhlke das Denkmal in die Obhut der Gemeinde.

1939-45

Eine Stele aus geschliffenem Sandstein in Form eines abgeschrägten Prismas erinnert an die Opfer des Zweiten Weltkrieges. 

Zwei Metalltafeln mit der Überschrift

 

 

DEN GEFALLENEN DES 2. WELTKRIEGES

1939 – 1945 EIN EHRENDES GEDENKEN

tragen die Namen von 54 Gefallenen und Vermissten.

Mit dieser modernen Stele und der gesamten Anlage besitzt die Gemeinde Fuhlen ein Mahnmal, das in Form und Aussage als vorbildliches Beispiel zeitgemäßer und verantwortbarer Erinnerungskultur gelten kann. 

1) Schaumburger Zeitung v. 02.05.1922

2) Helene Brehm hatte während des Ersten Weltkrieges mit chauvinistischen und kriegstreiberischen Gedichten in den evangelischen „Heimatgrüßen“ den Kampfeswillen der Schaumburger Frontsoldaten angefeuert (vgl. „Drauf mit Gott!“ auf dieser website).  Nun bedachte sie die Opfer mit einem Spruch. 

Auch ohne diesen Text zu kennen, lässt sich der darin wehende Geist erahnen, wenn man ihr Gedicht „Du deutsche Frau“ von 1916 liest, in dem sie den Müttern und Ehefrauen, die vom Tod ihres Sohnes oder Ehemannes erfahren, zurief: 

Es wird ein Schwert durch deine Seele dringen!

So dulde still, - Schmerz ist des Weibes Los!

Doch lass nicht fesseln deiner Seele Schwingen,

Du deutsche Frau, sei auch in Leide groß!

(Deutsche Romanzeitung, Bd. 53, 1916, S. 93)

Fotos v. Verfasser